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Donnerstag, 1. April 2021

Krebsforschung Tübingen, Ulm und Stuttgart: Neue Standorte im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)

Weitere Stärkung der Krebsforschung im Südwesten: die Onkologische Spitzenzentren Tübingen-Stuttgart (CCC-TS) und des Universitätsklinikums Ulm (CCC-U) sind neue Standorte im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen. 
 
Die Partner haben sich gemeinsam einen der vier neuen Standorte im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen gesichert und erfahren damit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
 
Tübingen mit perfekter Infrastruktur für Krebsforschung
Mit dem Hauptstandort Tübingen verfügt der zukünftige Partnerstandort NCT-SüdWest über ein hervorragendes Umfeld im Bereich der klinischen Krebsforschung. Davon zeugen der Status als renommierte Exzellenzuniversität, das Universitätsklinikum und das einzige deutsche Exzellenzcluster in der Krebsforschung. 
 
„Wir freuen uns sehr über die Vergabe und sind davon überzeugt, dass unser NCT-SW einen wichtigen Beitrag leisten wird, um neue innovative und personalisierte Therapiekonzepte einer hohen Zahl an Patienten zugänglich zu machen“, so Prof. Dr. Lars Zender, Koordinator des NCT-SüdWest und Ärztlicher Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie & Pneumologie am Universitätsklinikum Tübingen.
 
„Für die beiden Onkologischen Spitzenzentren Tübingen-Stuttgart und Ulm ist die Auszeichnung als NCT-Standort erneut ein großartiger Erfolg. Das CCCU kann u.a. seine international renommierte Expertise in molekularen, personalisierten Therapien in das NCT-Netzwerk einbringen. Umgekehrt können wir von den vielen innovativen Entwicklungen aus Tübingen und den anderen NCT Standorten profitieren, zum Wohle unsere Patienten“, so Prof. Dr. Hartmut Döhner, Sprecher des CCCU und Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm.
 
Die beiden Onkologischen Spitzenzentren Tübingen-Stuttgart und Ulm blicken auf eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Durchführung klinischer Studien und bei der Etablierung des Netzwerks der Zentren für Personalisierte Medizin zurück. Die Partnerschaft zwischen den beiden Onkologischen Zentren wird durch die weltweit führende Expertise des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart im Bereich des Einflusses der Erbanlagen auf die Wirkung von Arzneimitteln ergänzt.
 
BOSCH mit KI-Expertise dabei
„Uns war schon immer wichtig, dass unsere Forschung unmittelbar dem Patienten zugutekommt. Dafür denken wir in Netzwerken“, betont Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Medizinischer Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart. Hinzu kommt die enge Bindung an den Weltkonzern Bosch; mit dessen international führender Rolle im Bereich Künstlicher Intelligenz und Sensorik ein wichtiger Partner, welche die NCT-weite Entwicklung krebsrelevanter Diagnoseverfahren weiter vorantreiben wird.
 
Das NCT-SüdWest nimmt in Deutschland eine Vorreiterrolle in der klinischen Überführung von selbst entwickelten neuen Arzneimitteln gegen Krebs und von bildgebenden Verfahren ein. Die Krebsforschung des NCT-SüdWest konzentriert sich dabei auf die drei Bereiche der Krebsimmuntherapien, der funktionellen und multiparametrischen Bildgebung und der funktionell abgeleiteten molekularen Therapien.
 
Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm: „Das Universitätsklinikum Ulm ist seit vielen Jahren ein herausragender Standort für Krebsforschung und Krebsmedizin. Als NCT-Standort können wir unsere Patientinnen und Patienten künftig noch individueller behandeln.“
Auch auf dem Forschungsfeld der multiparametrischen Bildgebung und der radiopharmazeutischen Entwicklung innovativer PET-Tracer nehmen Tübingen und Ulm eine Vorreiterrolle ein. 
 
Diese schwach radioaktiv markierten Substanzen können durch nuklearmedizinische Untersuchungen in geringster Menge im Körper sichtbar gemacht werden und helfen beispielsweise bei der Visualisierung von Immunzellen während der Immuntherapiebehandlung.
 
Individualisierte Diagnostik für Krebspatienten
„Mit den bereits bestehenden Onkologischen Spitzenzentren und Tübingen als Standort des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) vereint das NCT-SüdWest unsere Expertise auf dem Bereich der Krebsforschung und bringt uns unserem Ziel näher, individualisierte Diagnostik und Therapien für Krebspatienten zu entwickeln“, so Prof. Dr. Bernd Pichler, Dekan der Medizinischen Fakultät Tübingen und Direktor der Präklinischen Bildgebung und Radiopharmazie am Universitätsklinikum Tübingen. 
 
 Zudem verfügt der zukünftige NCT-SüdWest-Standort über einschlägige Fachkompetenz bei genetischen in vivo-Screening-Verfahren, die zur Identifikation neuer therapeutischer Zielstrukturen dienen. Deren Ergebnisse fließen direkt in die pharmakologische Wirkstoffentwicklung des Tübinger Wirkstoffzentrums TüCAD2. 
 
Standort für mehr als 8 Millionen Menschen
Darüber hinaus kann das NCT-SüdWest auf das Netzwerk der baden-württembergischen Zentren für personalisierte Medizin zurückgreifen, welches durch maßgebliche Beiträge der Onkologischen Spitzenzentren Tübingen-Stuttgart und Ulm etabliert werden konnte. Die Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) konzentrieren sich auf die landesweite Einrichtung und Durchführung molekularer Tumorboards mit qualitätskontrollierten und harmonisierten Datensätzen, welche die Grundlage individualisierter Tumortherapien bilden. 
 
Krebsdiagnosen Bayern und Baden-Württemberg
Der neue Standort versorgt ein Einzugsgebiet mit mehr als 8 Millionen Einwohnern und deckt große Teile von Baden-Württemberg und Bayern ab. Insgesamt werden an den Partnerstandorten Tübingen-Stuttgart und Ulm und deren assoziierten Kliniken jährlich mehr als 26.000 neue Krebsdiagnosen gestellt.
 
April 2021. Redaktion Pflegeinfos.net
Copyright Fotos: Archiv








Sonntag, 15. September 2013

Woher kommt Parkinson? Tübinger Hirnforscher leiten Projekt Genom-Analyse und Einsatz von Stammzellen

Noch immer läuft die Parkinson-Forschung in der ganzen Welt auf Hochtouren. Zwar sind es nach neuesten Erkenntnissen Gene und Umweltfaktoren, die zur Entstehung der Parkinson-Krankheit führen. Doch welche Genfehler die Auslöser für die Schüttellähmung sind und wie die Umweltfaktoren den Untergang der Hirnzellen fördern, ist in den meisten Fällen noch unklar.

Ein von acht EU-Mitgliedsstaaten mit rund 4,7 Millionen geförderte Forschungsprojekt namens COURAGE-PD soll hier neue Erkenntnisse bringen. "COURAGE-PD" steht für “COmprehensive Unbiased Risk factor Assessment for Genetics and Environment in Parkinson‘s Disease” (mehr Infos siehe hier: LINK).


Das Projekt steht unter Leitung des Hertie Instituts für klinische Hirnforchung (HIH). Es kombiniert erstmals umfangreiche Genom-Analysen mit epidemiologischen Daten und dem Einsatz von Stammzellen, die heute aus der Haut der betroffenen Patienten gezüchtet werden können. Das Projekt ist Teil der größten globalen Forschungsinitiative „Joint Programming for Neurodegenerative Diseases (JPND)“. Ziel von JPND ist die europaweite Bündelung und Stärkung der Forschung im Bereich altersbedingter, neurodegenerativer Erkrankungen.

In den letzten Jahren wurden mehrere Gendefekte gefunden, die einen Morbus Parkinson auslösen können. „Jede einzelne Mutation erklärt jedoch nur eine sehr kleine Zahl von Erkrankungen. Für die meisten erblichen Parkinsonfälle sind die genetischen Ursachen unbekannt“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Gasser, Vorstandsvorsitzender am Hertie Institut für klinische Hirnforschung (HIH) des Universitätsklinikums Tübingen und Koordinator der klinischen Forschung am Standort Tübingen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). 


Auch die epidemiologische Forschung habe Fortschritte gemacht. „Wir kennen Faktoren wie Kaffee oder Nikotin, die vor der Erkrankung schützen, während andere wie Kopfverletzungen oder Pestizide das Risiko zu erhöhen scheinen“, berichtet Gasser. „Aber wie diese Faktoren zusammenwirken und in die Erkrankungsmechanismen eingreifen, ist bisher unbekannt.“

Neue Technologien zur Genom-Analyse und zur Generierung von Stammzellen sollten diese Lücken jetzt schließen. Gemeinsam mit Neurowissenschaftlern aus acht anderen Ländern will das Tübinger Team das gesamte Erbgut von 300 Patienten mit besonderer familiärer Belastung analysieren. In einem weiteren Projekt wollen die Hirnforscher das Erbgut von 500 weiteren Personen, bei denen bereits Risikogene gefunden wurden, mittels einer „tiefen Sequenzierung“ näher unter die Lupe nehmen.


Die Relevanz der neu entdeckten Genfehler muss in einem zweiten Schritt an einer möglichst großen Anzahl von Patienten und Gesunden geprüft werden. Dafür kommen die Blutproben von mehr als 70.000 Personen, des von Tübinger Forschern mitbegründeten größten weltweiten Netzwerks „GEO-PD“ zu genetischen Ursachen der Parkinson-Krankheit, zum Einsatz. „Dieser Validierungsschritt ist notwendig, um statistische Zufallsbefunde auszuschließen“, sagt Gasser, der bei dieser Gelegenheit an etwa 10.000 Personen prüfen will, wie die Genmutationen zu in den letzten Jahren aufgespürten Umweltfaktoren passen.

Im letzten Schritt soll dann der Einfluss einzelner Mutationen an Stammzellen untersucht werden. Die Forscher greifen dazu die in den letzten Jahren entwickelte Technik der induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, zurück. Dabei werden Zellen aus einer Hautprobe der Patienten zunächst in Stammzellen umprogrammiert, um sie danach im Labor gezielt in Nervenzellen ausreifen zu lassen. Professor Gasser: „Wir können dann untersuchen, wie die Mutationen den Zelltod begünstigen und welchen Einfluss die Umweltfaktoren dabei haben.“ Die Forscher erhoffen sich auch Ansätze zur Entwicklung neuer Medikamente zur Vorbeugung oder Therapie der unheilbaren Erkrankung.

 
Zu den Forschungsprojekten: Die „Joint Programming Initiativen“ sind von den EU-Mitgliedsstaaten ins Leben gerufene und getragene Maßnahmen. Bislang sind 25 europäische Länder, sowie Kanada und Israel, der Pilotinitiative beigetreten. Das Ziel von JPND ist die europaweite Bündelung und Stärkung der Forschung im Bereich altersbedingter, neurodegenerativer Erkrankungen. www.neurodegenerationresearch.eu

Das Genetic Epidemiology of Parkinson‘s Disease (GEO-PD) Konsortium wurde im Jahre 2004 mit Tübinger Beteiligung gegründet und dient der Erforschung genetischer und umweltbedingter Ursachen der Parkinson-Krankheit weltweit. Zwischenzeitlich sind in diesem Konsortium Parkinson-Forscher von 57 Institutionen aus 29 Ländern und 6 Kontinenten zusammengeschlossen. www.geopd.org


September 2013. Redaktion pflegeinfos.net

Dienstag, 19. März 2013

Tübinger Neurologin ist neue Vorsitzende der Deutschen Parkinson Gesellschaft: Prof. Dr. Daniela Berg

Die Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) hat eine neue erste Vorsitzende: Die Tübinger Neurologin und Hirnforscherin Daniela Berg wird in den nächsten zwei Jahren bis 2015 die Geschicke der Fachgesellschaft leiten. Berg, die in den letzten Jahren bereits im Vorstand war, wurde jetzt auf der Mitgliederversammlung gewählt. 

Zeitenwende: Daniela Berg die erste Frau an der Spitze der Fachgesellschaft DPG. Sie übernimmt das Amt von Wolfgang Jost, Rhön-Klinikum, Wiesbaden. 

Zur Person: Daniela Berg studierte von 1988 bis 1994 Medizin an der Universität Würzburg. Sie 1995 promoviert summa cum laude, ihre fachärztliche Prüfung legte sie 2002 ab. Seit August 2003 ist die Neurologin am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen tätig. Sie forscht in diesem Institut unter anderem an der Parkinson-Erkrankung, ihren Ursachen und Therapiemöglichkeiten.

Ihr besonderes Interesse gilt der Früherkennung: Mit der TREND-Studie (Tübinger Erhebung von Risikofaktoren zur Erkennung von Neurodegeneration), deren Studienleiterin Berg ist, sollen frühzeitig Symptome durch nicht-invasive Untersuchungen zur Früherkennung für Parkinson und Alzheimer entdeckt werden. 

Prof. Dr. Daniela Berg: Vorsitzende der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG)

Die auf 20 Jahre angelegte Studie untersucht dafür, im Abstand von zwei Jahren, 1.200 Menschen aus Tübingen und Stuttgart. In diesem Zusammenhang interessant: Stuttgarts legendärer Alt-Oberbürgermeister Manfred Rommel sowie der populäre SWR-1-Moderator Matthias Holtmann sind Betroffene aus der Region und sprechen in der Öffentlichkeit über "Leben mit Parkinson".

Außerdem entwickelte Daniela Berg eine Ultraschalluntersuchung des Gehirns, die sogenannte transkranielle Sonografie. Diese kann frühzeitig eine Veränderung der Substantia nigra darstellen. Dies ist ein Bereich im Gehirn, der für die motorischen Symptome der Parkinsonerkrankung verantwortlich ist.

Professor Dr. med. Daniela Berg ist bereits seit mehreren Jahren in der Deutschen Parkinson Gesellschaft DPG aktiv. Ein Schwerpunkt ihrer Amtszeit soll die weitere Förderung von fundierter Grundlagen- und klinischer Forschung zu Parkinson sein. Darüber hinaus möchte die Neurologin den schnellen Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis – und damit zu allen am Behandlungsprozess beteiligten Fachdisziplinen – voran treiben. www.parkinson-gesellschaft.de

März 2013. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Foto: PR/Universität Tübingen