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Dienstag, 24. November 2020

Senioren fit machen für digitale Anwendungen - das Stuttgarter Projekt "KommmIT" lieferte 5 Jahre wertvolle Erkenntnisse

 
Nach fünf Jahren feiert das Verbundprojekt „KommmiT“ (Kommunikation mit intelligenter Techni“) unter der Federführung des Wohlfahrtswerks seinen Abschluss. Ziel war es, in Stuttgart Lösungen zu entwickeln und zu erproben, mit denen Senioren den Anschluss an die digitale Welt schaffen können. Das Projekt wurde von neun Partnern umgesetzt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Teilhabe an der neuen Kommunikation via Internet

 
„Ältere Menschen in Stuttgart, die keinerlei Anwendungserfahrung mit digitalen Kom- munikationsmöglichkeiten haben, konnten erfolgreich an die Technik herangeführt werden“, erklärt Ingrid Hastedt, Vorstandsvorsitzende des Wohlfahrtswerks. „Digitale Kompetenz ist ein Schlüssel zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe und unterstützt beim Wunsch, lange in der eigenen Häuslichkeit wohnen zu bleiben.“
 

Neue Ideen erfolgreich umgesetzt

Im ersten Schritt wurde eine besondere Benutzeroberfläche für Tablets entwickelt: Nur wenige Funktionen und besonders große Schaltflächen sollten dazu beitragen, dass Anfänger sich leicht mit dem Tablet zurechtfinden. Interessierte Senioren wurden vom Projekt-Team mit den Geräten ausgestattet. Für einen gelungenen Einstieg bedurfte es zudem einer pädagogisch durchdachten Einweisung.


Senioren zeigen es Senioren

Darauf lag der zweite Akzent: Ein Peer-to-Peer-Ansatz „von Älteren für Ältere“ wurde entwickelt. Dabei gingen die Projekt-Partner in Stuttgart auf die Suche nach Ehrenamtlichen. Diese wurden zu „Begleitern“ ausgebildet, um dann selbst ältere Technikunerfahrene in die Bedienung der Tablets einzuführen. Die mehr als 120 Begleiter waren im Durchschnitt 68 Jahre alt, die rund 230 Teilnehmer im Durchschnitt 76 Jahre.

Umfassende persönliche Beratung

Zusammen mit ihrem Begleiter lernten die Teilnehmer wie man das Tablet nach den eigenen Interessen nutzen kann: Von der Wetter-App zum Video-Chat war alles mög- lich. Ergänzt wurde die Beratung durch Projektmitarbeiter im lokalen „ServiceBüro“ im „treffpunkt 50plus“ sowie im mobilen „Beratungshäusle“ des Wohlfahrtswerks, das an wechselnden Standorten in der Stadt unterwegs war. Für die Teilnehmer war insbesondere die „Techniksprechstunde“ ein gern genutztes Angebot.

Corona mit Hilfeplattform begegnet

Während der Kontaktbeschränkungen durch Corona zeigte sich, wie entscheidend es sein kann, eine E-Mail-Nachricht zu versenden oder eine Einkaufshilfe online zu finden. Mit einer neu programmierten Hilfeplattform wurden 2020 Hilfesuchende und Hilfebietende in der Stadt zusammengebracht. Die kostenfreien Angebote kamen von hilfsbereiten Stuttgartern, während KommmiT-Mitarbeiter beratend zwischen den Parteien vermittelten.

Ergebnisse für die Zukunft

Das Projekt wirkt weiter: Interessierte finden alle Informationen sowie die Lernmaterialien im Internet unter www.kommmit.info. Für Kommunen gibt es Handlungsempfehlungen für vergleichbare Vorhaben. Denn nach wie vor ist das Anliegen, ältere Menschen in das „digitale Leben“ zu integrieren, ungebrochen aktuell.
 

Projektpartner - wer war bei KommiT dabei?

Neben dem Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg die Universität Heidelberg, Psychologische Alternsforschung, Heidelberg, das FZI Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe, die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, Stuttgart, die Stadt Stuttgart, die Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS), Ludwigshafen, die nubedian GmbH, Karlsruhe, der treffpunkt 50plus/Evangelische Landeskirche in Württemberg und Unitymedia, Köln (bis Februar 2020) .

November 2020. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Foto: PR/Wohlfahrtswerk

Dienstag, 21. April 2020

In Corona-Zeiten ein Fortschritt: Arzt kommuniziert via Tablet mit Pflegeheimbewohnern. Projekt im Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg

Die Corona-Krise macht kreativ und sorgt nun für virtuelle Arztbesuche in Einrichtungen des Wohlfahrtswerks Baden-Württemberg: Hier wurde für Hausärzte die Möglichkeit geschaffen, mit Pflegeheimbewohnern über Tablet-Computer zu kommunizieren.
 
Das hat mehrere Vorteile: Die Ansteckungsgefahr der Senioren durch das Coronavirus wird vermindert und gleichzeitig können die Hausärzte ihre Schutzkleidung ressourcensparend einsetzen. 
 
 
Wenn ein Pflegeheimbewohner im Moment eine Sprechstunde außerhalb des Heims besuchen würde, müsste er anschließend für 14 Tage in Quarantäne. Neben den üblichen im Heim stattfindenden Arztbesuchen sind deshalb Visiten aus der Ferne eine gute Alternative.
 
Alte Menschen sehen Frau/Herrn Doktor
„Eine Sprechstunde via Tablet ist in der aktuellen Situation eine zusätzliche Möglichkeit für den Kontakt zwischen Hausärzten und Bewohnern“, erklärt Vorstandsvorsitzende Ingrid Hastedt. „Es ergänzt die bisherigen Kommunikationsmöglichkeiten per Telefon um den bildlichen Kontakt.“  
 
Im Wohlfahrtswerk hat man in den vergangenen Wochen nicht nur für alle Pflegeheime Tablets angeschafft, die für diesen Zweck eingesetzt werden können. Vielfach mussten in den Gebäuden  auch noch die Voraussetzungen für einen WLAN-Empfang geschaffen werden.
 
Pflegekassen fordern Videosprechstunden
Um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus zu minimieren, ermuntert die Kassenärztliche Bundesvereinigung derzeit Ärzte und Psychotherapeuten ausdrücklich, Videosprechstunden als Alternative zum gewohnten Praxisbesuch anzubieten. Das Wohlfahrtswerk bietet mit den Tablets nun allen Pflegeheimbewohnern die technische Voraussetzung hierfür.

April 2020. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Foto: PR/Wohlfahrtswerk

Samstag, 11. Juni 2016

Hightech in der Altenhilfe an der Schnittstelle Mensch-Technik-Interaktion: Evangelische Heimstiftung holt sich Knowhow bei Berliner Start-up-Firma

Die Freude war groß, als Ralf–Rüdiger Kirchhof, Geschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung GmbH (EHS), im Mai 2016 nach Berlin reiste, um mit notarieller Beurkundung die Beteiligung der EHS an der escos-automation GmbH perfekt zu machen. Das Technologieunternehmen begleitet die EHS bei der Umsetzung und Weiterentwicklung von ALADIEN.

Hinter ALADIEN versteht Baden-Württembergs größter Altenhilfeträger eine Symbiose aus Alltagsunterstützenden Assistenzsystemen mit Dienstleistungen, die Innovationen der Mensch-Technik-Interaktion mit Ansätzen der Quartiersentwicklung in Einklang bringt. 

Das modular mitwachsende System ist transsektoral konzipiert, skalierbar und in allen Handllungsfeldern der Altenhilfe einsetzbar. Der Einsatz komplexer Monitoringtechnik zur Erkennung risikobehafteter Situationen ist darin ebenso vorgesehen wie die Bereitstellung von Technologien zur automatischen Herdabschaltung oder Lichtsteuerung.


Damit alte Menschen lange in den eigenen vier Wänden bleiben können
Via Tablet mit einfacher Bedienoberfläche werden moderne Kommunikations- und Dienstleistungsangebote anwendergerecht erschlossen sowie der Einsatz telemedizinischer Angebote vorbereitet. Passende Dienstleistungen zu den einzelnen Modulen machen ALADIEN zu einem Gesamtkonzept, das Menschen auch bei zunehmenden Unterstützungsbedarf den längstmöglichen Verbleib in den eigenen vier Wänden sicherstellen möchte.

Mit dem Alleinstellungsmerkmal einer cloud-basierten Middleware ermöglicht es die escos-Software, die jeweils individuell erforderliche Kombination der verschiedenen technischen Assistenzsysteme zu vernetzen, ohne sich dabei in eine Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu begeben.



Die Evangelische Heimstiftung steigt bei einem Berliner Startup ein

EHS ist Mitgesellschafter der Berliner Firma
"Für ALADIEN ist es maßgebend, dass Technikeinsatz und -entwicklung fachlich und ethisch reflektiert erfolgen sowie den Bedarfen unserer Kunden entspricht.“ Damit bringt Ralf-Rüdiger Kirchhof die Motivation der EHS für die Beteiligung auf den Punkt und ergänzt: „Mit escos haben wir einen Partner gefunden, der technische Expertise mit der Schlagkraft und Dynamik eines Start-ups mit ausgeprägtem Feingefühl für die Belange der späteren Anwender verbindet.“

Albert Premer, geschäftsführender Gesellschafter der escos-automation GmbH blickt zuver- sichtlich in die gemeinsame Zukunft: „Mit der Evangelischen Heimstiftung als Kundin und Gesellschafterin werden wichtige Weichen für die fachliche Weiterentwicklung und Skalie- rung des Geschäftsmodells gestellt. Wir freuen uns deshalb sehr, die Vertrauenspartner- schaft mit der EHS jetzt auch auf Gesellschafterebene zu vertiefen.“


Technik kommt  in allen Neubauprojekten für Betreutes Wohnen zum Einsatz
Der Grundstein für die Zusammenarbeit wurde auf der CARE Invest Connect 2015 gelegt. Dieser Innovationskongress, der vom Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD), CareInvest und Social Impact initiiert und veranstaltet wird, brachte erstmals Start-ups und etablierte Unternehmen aus der Sozial- und Pflegewirtschaft zusammen. Die Veranstaltung will eine innovationsfreudige Unternehmenskultur unterstützen und für die Social Start-ups Wege und Mittel der Finanzierung und Zusammenarbeit aufzeigen.

Das ALADIEN-System kommt zukünftig in allen Neubauprojekten des Betreuten Wohnens sowie in WohnenPLUS-Anlagen zum Einsatz. Den bereits projektierten 120 Einheiten werden jährlich ca. 150 – 200 weitere in Neubau- und Bestandsobjekten der EHS folgen. Für den ambulanten Markt ist ALADIEN auch als Nachrüstkonzept über die Mobilen Dienste erhältlich. 


Wer war bei der Vertragsunterzeichnung anwesend (Foto oben)? Von links nach rechts Dr. Asarnusch Rashid (Gesellschafter der escos automation GmbH und Geschäftsführer des Zentrums für Telemedizin Bad Kissingen), Ralf-Rüdiger Kirchhof (Geschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung GmbH), Albert Premer (geschäftsführender Gesellschafter der escos-automation GmbH), Werner Wilms (Gesellschafter und technischer Leiter der escos- automation GmbH).
 

Weitere Informationen unter: www.escos-copilot.de

Juni 2016. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Foto: PR/EHS

Dienstag, 24. Mai 2016

Fachinfo für Pflegemanager und pflegende Angehörige: Berliner Pflegekonferenz 2016 mit Themen Pflegerobotik und Fachkräftemangel in der Pflege

Auf der nächsten Berliner Pflegekonferenz am 8. und 9. November 2016 im Westhafen Event und Convention Center (WECC) in Berlin werden innovative Lösungsansätze und Pflegeprojekte auch mit Vertretern aus dem diesjährigen Partnerland Japan diskutiert.

Die Sicherung einer finanzierbaren und menschwürdigen Pflege ist eine der zentralen Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft. Hierfür Lösungen aufzuzeigen, ist das erklärte Ziel der Berliner Pflegekonferenz, auf der sich Experten und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie professionell Pflegende und pflegende Angehörige zu wichtigen pflegebezogenen Themen austauschen und ihre Ideen und Erfahrungen präsentieren.

Partnerland Japan: Pflegerobotik und andere Innovativen
Mit seinem nach deutschem Vorbild errichteten Sozialversicherungssystem und vergleichbarer demographischer Entwicklung muss sich Japan ähnlichen Herausforderungen stellen wie Deutschland. „Wir freuen uns sehr, in diesem Jahr Japan als Partnerland gewonnen zu haben“, so Yves Rawiel, Geschäftsführer von spectrumK und Initiator der Berliner Pflegekonferenz.


„Ich bin überzeugt, dass wir die Herausforderungen des demografischen Wandels nur gemeinsam meistern können. Ein zentrales Anliegen dieser Konferenz ist es daher auch unterschiedliche Herangehensweisen kennenzulernen. Nur so wird es gelingen, uns für neue unkonventionelle Lösungsansätzen zu öffnen, um diese für uns nutzbar zu machen.“

Berliner Pflegekonferenz 2016: Welche Auswirkungen hat das Pflegestärkungsgesetz III?
 

Fachkräftemangel und Stärkung der Kommunen
Darüber hinaus stehen aktuelle Fragen aus der Pflegepraxis im Fokus der Konferenz 2016. Wie steht es um den viel beschworenen Pflegenotstand und kann die Neuausrichtung der Pflegefachausbildung den akuten Fachkräftemangel beheben? Wie sieht eigentlich eine „kultursensible“ Pflege aus? Wie können digitale und andere Technologien dazu beitragen, eine möglichst lange häusliche Pflege zu ermöglichen? Auch der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und dessen Auswirkungen auf die Praxis in der Pflegeversicherung sowie die neue Rolle der Kommunen durch das Pflegestärkungsgesetz III (es greift ab 2017) werden diskutiert.
 

Pflege-Innovationspreise - jetzt bewerben
Höhepunkt des von spectrumK in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und den Spitzenverbänden der Betriebs- und Innungskrankenkassen ausgerichteten Events bilden die feierlichen Preisverleihungen: Unter der Schirmherrschaft von Karl-Josef Laumann, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit, werden innovativer Pflegeprojekte mit dem Marie Simon Preis ausgezeichnet. Infos unter www.marie-simon-pflegepreis.de.


Darüber hinaus werden Unternehmen, die sich in besonderer Weise um die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verdient gemacht haben, mit dem Otto Heinemann Preis gewürdigt. Für diesen Preis hat Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Schirmherrschaft übernommen, um angesichts des wachsenden Bedarfs an qualifizierten Fachkräften zukunftsweisende Konzepte in Unternehmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu fördern. Infos unter www.otto-heinemann-preis.de.

Bewerbungen für beide Preise werden noch bis zum 31. August 2016 entgegengenommen.

Infos und Anmeldung zur Berliner Pflegekonferenz unter: www.berliner-pflegekonferenz.de 

Mai 2016. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Dienstag, 20. August 2013

Initiative Hausnotruf: Ältere Menschen als Berater, wenn es um neue Dienstleistungen für mehr Selbständigkeit im Alter geht

Treffen der Fokusgruppe zum Thema Selbständig im Alter

Von glücklich verliebt bis glücklich getrennt – wie leben Senioren heute? Was sind die Freuden und Leiden, die sie im Alltag beschäftigen? Und wie sieht ihr Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln aus? Die bundesweite Initiative Hausnotruf hat bei ihrer ersten Fokusgruppe mit sieben Senioren gesprochen. Ein erstes Fazit: Im Alter fehlt die Zeit.

Erfahrungsberichte: Im Mai 2013 trafen sich fünf Frauen und zwei Männer im Alter 65 bis 75 Jahren zur ersten Fokusgruppe der Initiative Hausnotruf. Die Senioren saßen bei Kaffee und Kuchen in Berlin zusammen und besprachen, diskutierten und hinterfragten leidenschaftlich, aber respektvoll das Thema "Selbständig im Alter". Unter der Leitung von Claudia Groetschel von der Geschäftstelle der Initiative Hausnotruf erzählten die Senioren ihre ganz persönlichen Lebenswege und wie sie heute leben. Danach befassten sie sich mit den Lösungen technischer Assistenzsysteme für den Komfort im Alltag und für Notfälle.

Die Fokusgruppe wurde ins Leben gerufen, um die Interessen und Bedürfnisse der heutigen Senioren jenseits von Statistiken noch genauer zu erfahren. Nur so ist es möglich, auch in Zukunft hilfreiche Lösungen und Dienstleistungen zu entwickeln, die den Alltag im Alter sicherer machen und erleichtern. Fazit: Zeit und Geld sind Mangelware. Handy, Internet und Mails sind auch für die Teilnehmer der Fokusgruppe Standard. Und die modernen Hausnotrufsysteme werden von allen als sehr sinnvoll erachtet.


Zum Beispiel erzählte Karin Heinemann (74) von ihrer Mutter: "Sie war schon immer ein großer Sturkopf. Auch als sie sagte, ich könne den Hausnotruf gleich wieder abmelden. Ironischerweise rettete ihr dann aber genau der rote Knopf das Leben, als sie nicht mehr alleine aus der Badewanne raus kam." Frau Heinemann selbst hat noch keinen Hausnotruf. Denn: Sie hat eine Abmachung, dass sie und eine Freundin sich jeden Morgen um 9 Uhr anrufen. Diese sei jetzt aber 14 Tage im Urlaub. "Jetzt ist da keine Kontrolle mehr. Und gerade bei Alleinstehenden bleibt immer die Angst: Was mache ich, wenn etwas passiert?."

Und so funktioniert der Service, der im Notfall Leben retten kann: Der handliche Sender verbindet sich auf Knopfdruck über Funk mit der Basisstation, die sofort die Hausnotrufzentrale anruft. Eine Mitarbeiterin ist Tag und Nacht vor Ort und klärt in einem Gespräch die Dringlichkeit der Lage. Bei Bedarf schickt sie den Bereitschaftsdienst vorbei. 


Auch Diskussionsteilnehmer Bernd Schirpke (66) wird sich später wahrscheinlich einen Hausnotruf holen, vielleicht sogar mit einer technischen Erweiterung um eine Videokamera. "Mein bester Freund hat eine schwere Krebstherapie durchgemacht. Ich habe ihn ein Jahr lang mit einer Videoüberwachung bei ihm zu Hause unterstützen können. Das war eine gute Sache."

Der erste Termin der Hausnotruf-Fokusgruppe war für alle Beteiligten ein Erfolg. Die Meinungen der Teilnehmer wurden hochgeschätzt, denn sie sind sowohl für die Kommunikation der Initiative als auch für die Planung vom Hilfsmitteln für das Leben älterer Menschen sehr wertvoll. Die meisten Teilnehmer waren angenehm überrascht über die Möglichkeiten der Hausnotrufsysteme – vor allem in Verbindung mit den neuen technischen Assistenzsystemen.

Und so steht der Planung der nächsten Fokusgruppe nichts im Wege. Sie wird voraussichtlich im Herbst 2013 in der Servicezentrale eines Hausnotrufanbieters stattfinden.


Die Initiative Hausnotruf ist eine Vereinigung von Hausnotrufspezialisten, bekannten Hilfsorganisationen sowie Herstellern technischer Geräte. Gemeinsam fördert sie die Vision, dass sich jeder ältere Mensch in Deutschland zu Hause und unterwegs sicher fühlen kann. 

Mehr Infos unter www.initiative-hausnotruf.de

August 2013. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Fotos: PR/Initiative Hausnotruf 2013

Schnelle Hilfe, nachdem der Hausnotruf ausgelöst wurde

Sonntag, 5. Mai 2013

Pilotprojekt easyCare: technische Assistenzsysteme in Seniorenwohnungen. Neue Wege im Betreuten Wohnen

Unter dem Schlagwort „Ambient Assited Living“ (AAL) fördert das Bundesforschungsministerium 18 Projekte, die neue Technologien mit dem sozialen Umfeld verbinden. Dazu gehören aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland auch Projekte für die Generation 60plus – so auch easyCare, mit dem pflegende Angehörige unterstützt und entlastet werden sollen. Es gliedert sich in drei Komponenten – die Assistenzsysteme vor Ort, ein Pflegedokumentations- und Beratungsprogramm für das Fallmanagement (Zielgruppe: Pflegemitarbeiter) und ein Onlineportal für pflegende Angehörige.

Das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg als Träger von 18 Altenhilfeeinrichtungen und mobilen Dienstleistungen konnte jetzt erste Praxiserfahrungen sammeln: Unter dem Begriff SmartHome-Technologie hat sich ein innovatives Geschäftsfeld rund um Haustechnik etabliert. So kann der Eigentümer oder Mieter via Smartphone von unterwegs aus die Heizung steuern – und eines Tages sogar Gefriergut im intelligenten Kühlschrank auftauen lassen, ehe er nach Hause kommt. 

Mittels solcher Gebäudeautomations- und Interaktionstechnologien (auch technische Assistenzsysteme genannt) könnten in Zukunft Wohnungen von alten und pflegebedürftigen Menschen „überwacht“ und die Personen besser betreut werden. Vielversprechende Praxiserfahrungen sammelte  das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg. Es testete gemeinsam mit dem Forschungszentrum Informatik (FZI) aus Karlsruhe ein technisches Assistenzsystem im Karl-Walser-Haus in Ludwigsburg. Acht Objekte aus dem Betreuten Wohnen wurden mit Sensoren für Bewegung, Feuchtigkeit und Kontakte ausgestattet. Sie informieren bei Problemsituationen oder bei außergewöhnlichem Verhalten die zuständige Betreuungsperson per SMS oder über das im Pflegeberatungsprogramm „CareCM“ integrierte Warnsystem. Neben den Bewohnern waren die Koordinatorin des Betreuten Wohnens sowie der dort ansässige Mobile Dienst an der mehrmonatigen Testphase beteiligt.

Hintergrund: Die häusliche Pflege wird angesichts steigender Klientenzahlen, des Fachkräftemangels sowie sozialer Probleme (überforderte Angehörige!) zu einer Herausforderung für die Gesellschaft und insbesondere für die Träger der Altenhilfe. Auch beim Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg ist man sich einig, dass menschliche Zuwendung nicht durch Maschinen ersetzt werden kann – aber wo intelligente Technologien für Entlastung von Betreuern oder pflegenden Angehörigen sorgen, sollte ihr Einsatz wertfrei geprüft werden. 

Fall-Management-Software erfasst alle Daten  
Wie lief der Test im Ludwigsburger Karl-Walser-Haus ab? Die weißen Sensoren wurden überall in den Wohnungen installiert, am Bett, an der Haustüre oder beim WC, am Kühlschrank oder der Besteckschublade. Und sie gaben Meldung, wenn sich zum Beispiel ein Mieter über einen bestimmten Zeitraum nicht mehr in der Wohnung bewegt hat oder die Verweildauer im Bad länger als sonst üblich war. „Das Regelwerk der Warnungen basierte auf vordefinierten Schwellenwerten, die aber individuell angepasst werden können“, berichtet Tibor Vetter, der zuständige Projektleiter im Wohlfahrtswerk. So ging das Team davon aus, dass eine Person zwischen 23 und 7 Uhr schläft. Aktivitäten in dieser Zeitspanne wurden daher als ungewöhnlich erfasst und sorgten für Nachfragen beim Betroffenen.

Alle Informationen gelangten über eine Fall-Management-Software an die Adressaten. Dies könnten im Regelbetrieb Angehörige oder Pflegedienste sein – oder eine rund um die Uhr besetzte Alarmzentrale. „In einem Fall konnten wir über die Technik herausbekommen, warum ein Mieter plötzlich immer müde war“, erzählt die im Karl-Walser-Haus tätige Koordinatorin Susanne Riesch. Der Sensor meldete ihr per SMS, dass seit einigen Tagen der Vorratsschrank mit der Sprudelkiste nicht mehr geöffnet wurde – der Mann hatte zu wenig getrunken.

Frühwarnsystem gibt Bewohnern Sicherheit  
Entsprechend positiv äußerten sich die Pflegekräfte des Mobilen Dienstes in der Einrichtung: Die technische Unterstützung sei gerade in einer kritischen Situation hilfreich, etwa bei einem Sturz. Die zu benachrichtigende Person könne so schnell Hilfe organisieren. Als Rückmeldung von den Probanden kam, dass sie vor allem das Gefühl der Sicherheit schätzten. Während der Testphase wurden über 100 Warnungen in den Wohnungen angezeigt. Die meisten bezogen sich auf eine längere Verweildauer in Schlaf- und Badezimmern – meist aufgrund individueller Gesundheitsprobleme.

Neben der passiven Rückmeldung via Sensor umfasste das Projekt auch ein aktives Element: Die Teilnehmer erhielten einen Tablet-PC, den sie via Touchscreen bedienten. Gut lesbare, vorformulierte Sätze leisteten Hilfestellung: „Ich bin gestürzt“ oder, „Mein Gesundheitszustand hat sich verändert“ oder „Ich habe die Wohnung verlassen“ (die häufigste Rückmeldung). Diese Tagebucheintragungen wurden während der Erprobungsphase täglich kontrolliert. „Mit dem Tablet-PC wäre es möglich, auch Internettelefonie via Skype zu betreiben, Wetterberichte oder lokale News zu empfangen“, beschreibt Tibor Vetter den Mehrwert der Anwendung. Er verweist zudem auf zukünftige Features – etwa die Übermittlung von medizinischen Daten (Blutdruck, Diabetes) über den Tablet-PC an Ärzte.


easyCare erfolgreich erprobt – Weiterentwicklung geplant
 Am Ende des Projekts easyCare erfolgte eine Befragung aller Beteiligten. Das Team wollte wissen, ob das Assistenzsystem akzeptiert wurde und wo der optimale Nutzen für Bewohner und Betreuer liegt. So lautet das Fazit:

• Mit dem Assistenzsystem eröffnen sich neue Produkt- und Serviceangebote für die häusliche wie stationäre Pflege. Das easyCare-System kann problemlos in Privatwohnungen eingesetzt werden.

• Einige der Testmodule können in bereits bestehende Dienstleistungen integriert werden.

• Pflege- und hilfebedürftige Personen können länger ein selbstständiges Leben führen. Angehörige erlangen Sicherheit und müssen nicht ständig vor Ort sein.

• Die Sensoren sorgen für ständige und schnelle Informationen – im Vergleich zum Hausnotruf.

• Für Fachkräfte in der Altenpflege ergeben sich durch die bequemen und mobilen Kontroll- und Warnfunktionen zeitliche und arbeitspsychologische Vorteile.

• Das Assistenzsystem bietet Erweiterungsmöglichkeiten wie z.B. Integration von Hausnotruf, gebündelte Warnmeldungen für Pflegekräfte oder die Meldung, wenn eine Person länger die Wohnung verlässt (Urlaub oder Weglauftendenz).

Für das Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart steht fest: Aufgrund der positiven Rückmeldungen der Testpersonen sowie der guten Zusammenarbeit mit dem FZI und der Koordinatorin des Betreuten Wohnens wird eine eigenständige Weiterentwicklung der Technologie und der neuen Dienstleistungen angestrebt.


Informationen über alle deutschen AAL-Projekte finden Sie hier: www.aal-deutschland.de

Mai 2013. Frank Bantle/Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Fotos: PR