Mittwoch, 18. September 2019

Kurzzeitpflege in BaWü: Land schwenkt auf FDP-Kurs ein - Doppelzimmer werden in Altenheimen weiter genutzt

Die Stuttgarter Zeitung titelte vom 31. August 2019:„Kurzzeitpflege wird erlaubt im Doppelzimmer“. Zur Berichterstattung, wonach das Sozialministerium entgegen der bisherigen Auffassung nun doch im Bereich der Kurzzeitpflege bereits vorhandene Doppelzimmer in Pflegeheimen weiterhin nutzbar machen möchte, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP/DVP Fraktion Jochen Haußmann:

„Es freut mich, dass das Sozialministerium im Bereich der Kurzzeitpflege auf den Kurs der FDP einschwenkt. Ich fordere seit Jahren, dass es zur Vermeidung einer Pflegeplatzknappheit erforderlich ist, vorhandene Doppelzimmer weiterhin zu nutzen, vor allem im Bereich der Kurzzeitpflege".
 
Noch im April wurde dem FDP-MdB auf Initiative vom Amtschef des Ministeriums detailliert erklärt, warum meine Forderung nicht umgesetzt werden kann. "Heute bin ich froh, dass im Sinne der betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen pragmatische Lösungen Platz greifen sollen. Es nützt nämlich niemandem, wenn man stur auf Vorschriften beharrt, die dann dazu führen, dass bewährte Angebote nicht mehr genutzt werden können. Die jetzt vom Sozialministerium gezeigte neue Flexibilität sollte nun auch beispielgebend für die Handhabung der Übergangsvorschriften für bestehende Pflegeheime sein.“ www.fdp-dvp.de
 
September 2019. Quelle: FDP-Landtagsfraktion BaWü

Gehörlose Patienten im Krankenhaus. Das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart mit neuem Behandlungsansatz

Im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus startete Mitte September 2019 das Projekt „Hand in Hand. Verbesserung der medizinischen Versorgung gehörloser Patienten“. Ziel des Projekts ist es, gehörlosen und hörgeschädigten Menschen eine barrierefreie Kommunikation zu ermöglichen, sei es bei einer geplanten Therapie oder in einer medizinischen Notfallsituation.
 

Immer wieder kommt es insbesondere im medizinischen Bereich zu Missverständnissen, Informationsdefiziten und einer großen Verunsicherung. Edanur Cüre, Assistenzärztin am Robert-Bosch-Krankenhaus, hat deshalb gemeinsam mit Prof. Dr. med. Jörg. G. Albert, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, das Projekt „Hand in Hand. Verbesserung der medizinischen Versorgung gehörloser Patienten“ ins Leben gerufen.

„Eine adäquate Therapie funktioniert nur mit barrierefreier Kommunikation“, erklärt Edanur Cüre. „Deshalb ist es unsere Aufgabe, diese zu gewährleisten.“ Sie selbst lernt die Gebärdensprache und hat schon als Studentin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena das Wahlfach „Arzt-Patienten-Kommunikation mit gehörlosen Patienten“ etabliert.

Mit Unterstützung der Stiftung Pro Kommunikation in Baden-Württemberg möchte sie nun auch Ärzte und Pflegepersonal des Robert-Bosch-Krankenhauses für einen barrierefreien Umgang mit Gehörlosen sensibilisieren und schulen. Dazu haben die Mitarbeitenden sämtlicher Abteilungen und Stationen inklusive der Notaufnahme Mappen erhalten, die ganz praktische Informationen für eine gelungene Kommunikation enthalten.


Hier erfährt der Mitarbeitende zum Beispiel, dass es für den gehörlosen Patienten hilfreich ist, wenn er langsam, aber nicht in Zeitlupe spricht, dass er sich beim Sprechen nicht vor ein Fenster stellen sollte, weil der Gehörlose so aufgrund der Blendung nur schwer von den Lippen ablesen kann, auch, dass er Fremdwörter vermeiden und in jedem Fall hochdeutsch sprechen sollte.

Nach Angabe des Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. leben in Deutschland rund 80.000 Gehörlose, die Dunkelziffer ist jedoch erheblich höher. Etwa 8.000 Gehörlose leben in Baden-Württemberg. Mehr Informationen unter www.rbk.de

September 2019. Redaktion pflegeinfos.net



Samstag, 14. September 2019

Schlaganfall: Prävention ist alles - Sabine Postel, Schauspielerin hilft bei Kampagne mit und macht Werbung für Vorsorgeprogramm Schlaganfall


 
Schlaganfall ist weltweit die zweithäufigste Todesursache. Allein in Deutschland erleiden 270.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. 75 Prozent, die einen Schlaganfall erleiden, sind älter als 65 Jahre. Zu den Hauptrisiken zählen unentdeckte Herzrhythmusstörungen, vor allem aber Vorhofflimmern (VF). 

Wird ein VF hingegen rechtzeitig erkannt, kann das Schlaganfall-Risiko durch eine gezielte Behandlung, z. B. mit Medikamenten, erheblich reduziert werden. Daher wird sogenanntes Vorhofflimmer-Screening, eine regelmäßige Selbstüberprüfung des Herzrhythmus, von kardiologischen Fachgesellschaften empfohlen.

Puls via Smartphone prüfen

Seit August gibt es das neuartige Versorgungsprogramm der Firma Preventicus zur digitalen Schlaganfallprävention mit dem Titel "RhythmusLeben". Als erstes digitales Versorgungsprogramm bietet es eine Möglichkeit, an dem Programm der Krankenkassen teilzunehmen und präventiv seinen Puls zu prüfen, um zu erfahren, ob das Herz "aus dem Takt" geraten ist. Für den Fall von Auffälligkeiten in der Messung kann unerkanntes VF durch einen im Programm teilnehmenden Kardiologen weiterführend direkt diagnostiziert werden. Sabine Postel, selbst familiär betroffen, ist Botschafterin dieses Schlaganfall-Vorsorgeprogramms. 

Zwei Minuten am Tag für Schlaganfall-Check

Nach Herunterladen der App im iTunes Store als auch Google Play Store erfolgt die Messung mit dem Auflegen einer Fingerkuppe unter die Kamera des Smartphones. 2x am Tag wird für 1 Minute die Pulskurve gemessen. Bei Auffälligkeiten werden die teilnehmenden Kardiologen in der Nähe angezeigt, mit denen man einfach per Klick die Daten teilt und einen Termin zur Diagnostik vereinbart. 


Um das mögliche VF zu bestätigen oder auszuschließen versorgt der Kardiologe den Versicherten dann mit einem kabellosen und aufklebbaren telemetrischen EKG-System, um auf dessen Basis eine genaue Diagnose samt Therapieempfehlung zu stellen. So kann das Schlaganfall-Risiko bei VF bis zu 75% reduziert werden. "2 x 1 Minute am Tag, die hat doch jeder!", so Sabine Postel. 

Sie misst ebenfalls regelmäßig mit der Preventicus Heartbeats App ihren Puls und ist erleichtert so eine Möglichkeit zu haben, ihre Gesundheit präventiv mit zu erhalten. "Die App ist einfach zu bedienen und als Medizinprodukt zugelassen, es funktioniert also wirklich", so Postel weiter. 

Schlaganfall bei Senioren und Menschen ab 55
Auch Prof. Christian Perings, Leiter des Westdeutschen Zentrums für angewandte Telemedizin (WZAT) ist Befürworter der digitalen Vorsorge. "So können auch Versicherte, welche in Gebieten leben, in denen die Arztdichte sehr gering ist, etwas für ihre Gesundheit tun und vorsorgen ohne weite Wege zurücklegen zu müssen!"

Das Programm richtet sich an alle über 65-jährigen Versicherten, sowie die über 55-jährigen mit Bluthochdruck, Diabetes oder weiteren Grunderkrankungen. Die Einführung dieses innovativen Programms, welches gemeinsam mit der Gesellschaft für Wissenschaft und Qualität bei Krankenkassen (GWQ) entwickelt wurde, wird von der Servicegesellschaft des Bundesverbandes niedergelassener Kardiologen (BNK) voll unterstützt. 


Mehr unter www.preventicus.com 

September 2019. Text: ots
Copyright Foto: PR/obs - Preventicus


Freitag, 30. August 2019

Versicherungen für Haushaltshilfen. Das sollten Senioren beachten: Haftpflicht, Minijob, Hilfe durch Pflegekasse

In den eigenen vier Wänden leben, am besten so lange wie möglich - das wünschen sich die meisten Senioren. Damit der Alltag trotzdem klappt, bieten Haushaltshilfen eine gute Lösung. Sie können vor allem mühselige Arbeiten wie Fensterputzen, Bödenwischen oder Wäschewaschen abnehmen. 

Doch wer zahlt, wenn bei der Dienstleistung etwas zu Bruch geht oder sogar jemand zu Schaden kommt? Die Experten der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) klären auf.

Was, wenn Schäden entstehen?

Nur schnell über das Regal gewischt und schon ist die Blumenvase hinüber. Hier gilt: Der Verursacher muss den finanziellen Schaden tragen. Ähnlich ist es bei Missgeschicken, die gegenüber anderen passieren - beispielsweise, wenn jemand auf dem frisch gewischten Boden ausrutscht und sich verletzt.

Der gravierende Unterschied: Die Folgekosten können bei Unfällen schnell in die Höhe schießen. "Für Haushaltshilfen ist eine Haftpflichtversicherung deshalb besonders sinnvoll. Aber auch für alle anderen sollte dieser Versicherungsschutz zur Grundabsicherung gehören", raten die Versicherungsprofis der DVAG.



Haushaltshilfe offiziell anmelden - was hat es damit auf sich?
Ist die Unterstützung nicht nur ein Freundschaftsdienst, sondern erfolgt gegen Bezahlung, muss die Haushaltshilfe angemeldet werden. Denn jetzt ist die Tätigkeit rentenversicherungspflichtig. Solange der Verdienst dabei unter 450 Euro monatlich liegt, handelt es sich um einen Minijob. Dieser muss von den Senioren bei der Minijob-Zentrale gemeldet werden.

Damit ist in diesem Fall gleichzeitig die Meldung für die gesetzliche Unfallversicherung erfüllt. "Die Versicherung übernimmt die Folgekosten, sollte sich die Haushaltskraft während der Arbeit oder auf dem Hin- und Rückweg verletzen", erklärt die DVAG. Mit dem sogenannten Haushalts-Check werden dem Arbeitgeber die Beiträge zur Unfallversicherung (1,6 Prozent) zusammen mit den anderen Abgaben von der Minijob-Zentrale berechnet und eingezogen.

Gut zu wissen:

Wer pflegebedürftig ist, wird in puncto Haushaltshilfe oft durch die Pflegekasse finanziell unterstützt. Am besten genau bei der zuständigen Stelle informieren und beraten lassen.

Suche erleichtern: Private Pflegedienste, Arbeiterwohlfahrt, Johanniter oder das Deutsche Rote Kreuz helfen, eine Haushaltskraft zu finden.

Klarheit schaffen: Aufgaben und Wünsche im Vorfeld besprechen und notieren. So gibt's keine Missverständnisse oder falschen Erwartungen.


Sympathie wichtig: Nicht nur das Fachliche zählt - Arbeitgeber und Haushaltshilfe sollten gut miteinander auskommen und sich vertrauen.
 

Die DVAG ist Deutschlands größte eigenständige Finanzberatung. Sie bietet umfassende und branchenübergreifende Allfinanzberatung für breite Bevölkerungskreise, getreu dem Unternehmensleitsatz "Vermögensaufbau für jeden!". Aktuelle Informationen unter www.dvag.de

August 2019. Text: ots/DVAG

Copyright Foto: PR/DVAG


Mittwoch, 28. August 2019

Immer mehr Ärzte steigen früher aus dem Job aus. Frust wegen Politik und zu geringer Wertschätzung der Arbeit. Gefahr für wohnortnahe Versorgung

Eine Entwicklung, die gravierende Folgen für die Patientenversorgung haben könnte: 67 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Deutschland sind mit den derzeitigen Arbeitsbedingungen sowie den gesundheitspolitischen Plänen der Regierung so unzufrieden, dass sie ihre kassenärztliche Tätigkeit früher als ursprünglich geplant beenden wollen. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Ärztenetzwerks änd.de unter rund 2.000 niedergelassenen Haus- und Fachärzten.


Die Antworten auf die ergänzende Frage, in welches Lebensalter das voraussichtliche Ende der eigenen Kassenarzttätigkeit fällt, verdeutlichen die Dimensionen: 39 Prozent der Umfrageteilnehmer zeigen sich fest entschlossen, die Kassenzulassung noch vor dem 65. Lebensjahr abzugeben. Fielen finanzielle Verpflichtungen - wie das Abbezahlen des Praxiskredits - weg, würde die Zahl voraussichtlich noch höher ausfallen: Zwei von fünf Ärzten betonen, dass sie sich gezwungen sehen, aufgrund offener Raten in beträchtlicher Höhe länger als gewünscht in der Praxis bleiben zu müssen.

Doch welche Faktoren ärgern die Ärzte am stärksten? Die Antworten auf diese Frage lassen erahnen, welchen Frust die jüngsten politischen Eingriffe - beispielsweise die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn festgelegte Erweiterung der Sprechstundenzeiten - in der Ärzteschaft verursacht haben. War es in früheren Umfragen oft die als zu gering empfundene Vergütung, steht nun die "Geringschätzung der ärztlichen Arbeit durch die Politik" an erster Stelle. Gleich dahinter kommt die Beschwerde: "Die Politik regiert in die Praxisorganisation hinein." Auch wird die Bürokratie als stark belastend empfunden. Die Themen Vergütung und Arzneimittelregresse teilen sich mit einigem Abstand den vierten Platz.

"Können Sie sich vorstellen, nach Beendigung der vertragsärztlichen Tätigkeit noch weiter privat zu behandeln?", lautete ebenfalls eine Frage an die niedergelassenen Mediziner. Gut jeder Zweite (53 Prozent) kann sich eine Arbeit als Privatarzt nach der Rückgabe seiner Kassenzulassung vorstellen. 24 Prozent der Befragten zeigen sich in der Sache noch unentschlossen, 23 Prozent wollen nach dem Ende ihrer vertragsärztlichen Tätigkeit komplett den Kittel an den Nagel hängen.

Jan Scholz, Chefredakteur des Fachportals änd.de, spricht von alarmierenden Zahlen: "Das Durchschnittsalter der Vertragsärzte ist in den vergangenen zehn Jahren von rund 51,6 (2008) auf 54,2 (2018) Jahre gestiegen. Daher könnten Entscheidungen zum vorzeitigen Ruhestand bei vielen Ärzten schon in wenigen Jahren großen Einfluss auf die Zukunft der wohnortnahen medizinischen Versorgung haben. 

Das Portal www.aend.de ist einer Verbindung aus berufsbezogenem Nachrichtendienst und aktiver Diskussionsplattform zum innerärztlichen Wissensaustausch. Rund 50.000 Ärzte sind derzeit Mitglied auf www.aend.de


August 2019. Text: ots

Dienstag, 27. August 2019

Gesundheit durch Entschlackung - Standardwerk von Dr. Jentschura jetzt aktualisiert. Auflage 2019 im Buchhandel

Wie erhalte ich meinen Körper gesund und schön? Das ist eine Frage, die sich die Menschen wohl schon seit Jahrhunderten stellen. Wie entscheidend dabei die richtige Lebensweise ist, erklären Dr. h. c. Peter Jentschura und Josef Lohkämper in ihrem Klassiker "Gesundheit durch Entschlackung", der jetzt in der 21. überarbeiteten und erweiterten Auflage erschienen ist.



 
In Zeiten zunehmender einseitiger Ernährung ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ein echter Mittelweg, um die eigene Gesundheit zu fördern und zu erhalten. Eine gute Balance zwischen Ernährung, Bewegung und basischer Körperpflege ist nach Ansicht der Autoren ideal, um das eigene Wohlbefinden und die eigene Leistungsfähigkeit dauerhaft auf einem hohen Niveau zu halten.

Die Autoren stellen dar, wie der Organismus arbeitet und wie wir die einzelnen Organe und ihre Funktionen geschickt unterstützen können. Außerdem geben sie viele nützliche Tipps, wie wir unseren Organismus gut pflegen und unsere Haut nicht nur gesund und schön erhalten, sondern ihre Ausscheidungsfunktion nutzen können. Die Ergebnisse sind eine angenehme Ausstrahlung und andauernde Gesundheit.

"Das Buch wurde nicht nur neu aufgelegt, sondern auch deutlich erweitert - und zwar um meine neuesten Forschungen vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklungen", erklärt Jentschura. So wird etwa in der 21. Auflage des erstmals 1998 erschienenen Standardwerks der komplementären Heilkunde auch das Thema Marathonbaden aufgegriffen. Ebenfalls komplett neu ist ein Kapitel zur Malabsorption, der geschädigten Aufnahme von Nähr-und Vitalstoffen, und wie man dieser entgegenwirkt.


Erhältlich ist die neue Auflage im Buchhandel (ISBN: 978-3-933874-37-5) und unter www.verlag-jentschura.de.

August 2019. Text: ots

Copyright Foto: obs/Verlag Jentschura

Todesursache multiresistente Keime: CSU in Bayern fordert wirksame Antibiotika. Thema im Gesundheitsaussschuss im September 2019

"Der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen ist eine drängende gesundheitspolitische Aufgabe. Um auch in Zukunft ein scharfes Schwert gegen Infektionen in den Händen zuhalten, brauchen wir wirksame Antibiotika. Hierfür bedarf es diverser Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene. Die CSU-Landtagsfraktion im Bayerischen Landtag hat hierzu ein Bündel von Vorschlägen erarbeitet", erklärte Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion. Zusammen mit Klaus Holetschek, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Arbeitskreises für Gesundheit und Pflege, stellte Seidenath das Antragspaket vor.


Zunahme an Fällen mit multiresistenten Keimen

"Multiresistente Keime werden künftig die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauferkrankungen sein und die Krebserkrankungen ablösen", betonte Seidenath und verwies auf alarmierende Zahlen: Einer OECD-Studie zufolge könnten bis zum Jahr 2050 rund 2,4 Millionen Menschen in Europa, Nordamerika und Australien an Infektionen mit multiresistenten Keimen sterben. Das Robert-Koch Institut schätzt, dass es allein in Deutschland pro Jahr zu bis zu 600.000 Infektionen mit multiresistenten Keimen kommt und in der Folge bis zu 15.000 Todesfälle zu befürchten sind.

"Wir brauchen deshalb wirksame Antibiotika. Hierzu kann der einzelne etwas beitragen, aber auch die Politik", erklärten Seidenath und Holetschek bei der Vorstellung ihres Antragspakets, das in der ersten Sitzung des Gesundheitsausschusses nach der Sommerpause am 24.9.2019 behandelt und beschlossen werden soll.

Produktion nach Deutschland und in die EU zurückholen

Konkret geht es vor allem darum, die Antibiotika-Produktion, deren Hauptstandort aktuell Asien ist, zu bedeutenden Teilen wieder nach Europa zurückzuholen. Mittlerweile werden über 80% der in Deutschland verarbeiteten Intermediates, also von Zwischenprodukten, die die Grundlage für die Antibiotikaproduktion bilden, und Antibiotikawirkstoffen aus Nicht-EU-Ländern - hauptsächlich Indien - importiert. 

"Das führt nicht nur zu einer wirtschaftlichen Abhängigkeit. Schwerwiegender ist die Frage der Patientensicherheit. Nicht zuletzt der Valsartan-Skandal hat bestätigt: Wir brauchen wieder mehr europäische Antibiotika", so Seidenath. Zudem seien Lieferengpässe im europäischen Kontext leichter zu managen.

Flankierend soll die Einhaltung von Umweltstandards bei der Produktion von Antibiotika sichergestellt werden, die auch für Arzneimittel-Importe etwa aus Indien gelten sollen. Ziel ist es hierbei dafür zu sorgen, dass keine Antibiotikawirkstoffe aus Produktionsanlagen ins Wasser gelangen und sich so multiresistente Keime bilden können: "Hier besteht die Gefahr, dass diese Keime durch den zunehmenden Tourismus auch nach Deutschland gebracht werden", warnte Klaus Holetschek.

Mehr Wissen über Antibiotika

Bereits beschlossen wurde im aktuellen Doppelhaushalt die Umsetzung einer Studie zur sogenannten Spiegel-Bestimmung bei der Antibiotikatherapie, mit der die Dosierung und zielgerichtete Anwendung von Antibiotika optimiert werden kann. "Im Umgang mit Infektionen und Antibiotikaresistenzen brauchen wir mehr Wissen auf allen Ebenen der Versorgung, im stationären wie im ambulanten Bereich. Es gibt zwar die positive Tendenz, dass weniger Antibiotika verschrieben werden. Doch wenn Antibiotika zum Einsatz kommen, sollte es auch das richtige sein", so Bernhard Seidenath.

www.csu-landtag.de

August 2019. Quelle: ots