Mittwoch, 22. Mai 2019

An deutschen Seen und an der Küste: Auch Rollstuhlfahrer können hier barrierefrei Urlaub machen und sogar selbst Kapitän sein

Trotz Mobilitätseinschränkung Baden, Boot fahren, Strand genießen? In mehreren Regionen in Deutschland ist das schon lange kein Problem mehr. So sind zahlreiche Orte entstanden, an denen Rollstuhlfahrer und Senioren mit Gehproblemen den Spaß am Wasser wiederentdecken können. Die Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen – Barrierefreie Urlaubsziele in Deutschland stellt die schönsten vor:

Ruppiner Seenland: Hausbooturlaub auf der Havel

Urlaub auf dem barrierefreien Hausboot „Febomobil“ von Kuhnle-Tours


Einen Urlaub lang Kapitän sein: Das ist im Ruppiner Seenland, einer idyllischen Seenlandschaft mit mehr als 170 Gewässern, nördlich von Berlin möglich. In Zehdenick verleiht Kuhnle Tours barrierefreie Hausboote für Fahrten auf der Havel. Ein Führerschein ist dafür nicht erforderlich. Die Boote können von Rollifahrern nicht nur bewohnt, sondern auch bedient werden.

Eine Einweisung und ein unterfahrbarer Steuerstand machen es möglich. Gemächlich tuckern die Boote in Fließrichtung dahin. So bleibt genug Zeit für Naturbeobachtungen. Zwischendurch können die Freizeitkapitäne an barrierefreien Anlegestellen an Land gehen. Lohnende Ausflugsziele unterwegs sind der Ziegeleipark Mildenberg und das Schloss Rheinsberg, die beide rollstuhlgerecht ausgebaut sind.

Lausitzer Seenland: Wassersport auf neuen Seen

Sportlicher wird es im Lausitzer Seenland, einer jungen Reiseregion zwischen Berlin und Dresden mit 25 künstlichen Seen, die aus gefluteten und renaturierten Tagebaulöchern entsteht. Hier ist Selbstpaddeln bzw. -rudern angesagt. Ob Kajak, Canadier oder Ruderboot: Der Vermieter expeditours stellt verschiedene Gefährte zur Wahl. 

Am Hafencamp des Senftenberger Sees hilft ein Lift Rollstuhlfahrern beim Einsteigen in die Boote. Auch einem Segeltörn steht nichts im Wege. Mit Segelkutter und einem erfahrenen Skipper geht es gemeinsam auf das Wasser. Mitanpacken ist dabei ausdrücklich erwünscht.

Doch auch wer auf und am Wasser einfach nur entspannen möchte, findet im Lausitzer Seenland genügend Möglichkeiten. Fahrten mit dem Ausflugsschiff und Baden am Strand sind zum Beispiel am Senftenberger See möglich.

Rostock: Strandleben auf Rädern

Mit dem Rollstuhl über den Strand bis ins Meer: Dieser Traum wird 15 Kilometer von Rostock, im Seebad Warnemünde, wahr. Hier lädt ein besonders langer, weißer und feinkörniger Sandstrand zum Baden. Es ist einer der breitesten Strände an der gesamten Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern. Fünf Strandaufgänge sind barrierefrei ausgebaut.

Zu den bei Rollifahrern beliebtesten gehört Strandaufgang vier, wo rutschfeste Platten bis zum Wasser und zu den Strandkörben führen. Die Strandoase Treichel verleiht einen Baderollstuhl mit Ballonreifen, mit dem Gäste bis in die Ostsee fahren können. Auch am Strandaufgang zehn ermöglichen Holzplatten und Gummimatten den Zugang von der Promenade bis zum Wasser.



Neu ab Sommer 2019 ist ein Strandkorb für mobilitätseingeschränkte Menschen. Auch Strand- und Baderollstühle können hier erstmals ausgeliehen werden. Weitere barrierefreie Strandaufgänge gibt es im nur wenige Kilometer entfernten Seebad Markgrafenheide.

Fränkisches Seenland: Badespaß und heimatliche Küche

Das Fränkische Seenland, südwestlich von Nürnberg, bietet eine Seltenheit in Deutschland: Weil es keine Privatgrundstücke am Ufer gibt, sind alle sieben Seen frei zugänglich. An vier dieser Seen wurde auch an Rollstuhlfahrer gedacht: Am Altmühlsee und am Großen Brombachsee können Gäste Strandrollstühle ausleihen und damit direkt ins kühle Nass fahren.

Am Kleinen Brombachsee am Seezentrum Langlau und in der Freizeitanlage Birkach am Rothsee führt jeweils eine Baderampe ins Wasser. Für den großen Hunger nach dem Baden bieten barrierefreie Restaurants wie das Strandhotel Seehof am Kleinen Brombachsee und das Boothaus am Altmühlsee regionale Fisch- und Fleischgerichte. 

Zu einem entspannten Ausflug auf dem Wasser laden die barrierefrei zugänglichen Fahrgastschiffe auf dem Altmühlsee oder dem Großen Brombachsee ein.

Eifel: Nationalparktouren per Schiff

Entspannte Schiffsausflüge mitten im Nationalpark können Gäste mit Behinderungen in der Eifel erleben. Jeden ersten und dritten Montag eines Monats von April bis Oktober starten barrierefreie Schiffstouren auf dem Rursee, einem idyllischen Stausee umrahmt von echter Wildnis.

Ranger der Nationalparkverwaltung gehen mit an Bord und erklären unterwegs das einzigartige Schutzgebiet und seine Naturschätze. Für blinde Gäste haben sie Tastobjekte und duftende Exponate dabei. Rollstuhlfahrer können die Schiffsanleger in Schwammenauel, dem Startpunkt der Tour und Rurberg, dem Ziel problemlos befahren.

Vor oder nach dem Ausflug auf dem Wasser empfiehlt sich eine Wanderung im barrierefreien Naturerlebnisraum Wilder Kermeter. Gäste tauchen hier mitten in das ökologische Herz des 110 Quadratkilometer großen Nationalparks ein.

Mehr unter www.leichter-reisen.info
 

Mai 2019. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Fotos: PR/TVB Thomas Ulrich



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