Freitag, 6. November 2020

App für Pflegedokumentation: Piloteinsatz von Voize im Stuttgarter Caritas-Haus St. Ulrich, Mönchfeld. Einfach ins Smartphone sprechen

Die Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wird bis 2035 um 30% auf 4,8 Mio. ansteigen. Gleichzeitig ist sorgfältige Pflegedokumentation sehr wichtig, jedoch ist der zeitliche Aufwand mit über 30% der Arbeitszeit sehr hoch. 

 

Ein Start-up aus Stuttgart (Gründerfirma) will das ändern und den pflegebedürftigen Menschen in den Vordergrund stellen. Idee: Voize ist der digitale Sprachassistent für Pflegedokumentation. Er erleichtert den Pflegealltag, verbessert die Qualität der Dokumentation und erlaubt Pflegeeinrichtungen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

 

Aus der Praxis heraus entwickelt: App für Altenpfleger
 

Sefaat Kayan ist 23 Jahre jung, Altenpflegerin von Beruf, und sie liebt die Arbeit mit den alten Menschen im Haus St. Ulrich in Stuttgart-Mönchfeld. Doch rund 30 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringt sie damit, ihre Arbeit zu dokumentieren. Zeit, die sie am Computer verbringt und nicht bei den Menschen. Die Pflegedokumentation ist zweifelsohne wichtig - doch wie könnte man sie organisieren, damit sie möglichst schnell und leicht erledigt werden kann und so mehr Zeit für die Pflege bleibt?

 

Während der Pflege ins Smartphone sprechen

 

Fabio Schmidberger studiert Softwaretechnik an der Universität Stuttgart. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Marcel und mit ihrem Kollegen Erik Ziegler haben sie das Startup voize gegründet. voize ist auch der Name ihrer App für sprachgesteuerte Pflegedokumentation übers Smartphone. Pflegekräfte können die Dokumentation am Smartphone einsprechen und das auch direkt bei der Pflege. Die erstellten Dokumentationseinträge werden automatisch in die Dokumentationssoftware übertragen.

 

Mit dem Bereich Altenhilfe des Caritasverbands für Stuttgart e.V. fanden die jungen Unternehmer einen Kooperationspartner, mit dem sie die App entwickeln und vor allem für sie wichtige Einblicke in den Pflegealltag bekommen. "Das hat uns schon überzeugt", sagt Sebastian Menne, stellvertretender Bereichsleiter der Caritas Altenhilfe, "dass sie uns kein fertiges Produkt verkaufen wollten, sondern sich in unsere Arbeit von Grund auf hineingedacht haben."

Sprechen ist leichter und schneller als schreiben

 

 

Noch ist die App in der Erprobung, aber Altenpflegerin Sefaat Kayan ist jetzt schon begeistert: "Wir haben so in naher Zukunft sehr viel mehr Zeit für die Bewohner_innen", freut sie sich. Sie und ihre Kolleg_innen können direkt bei den Bewohnern Daten und Befunde ins Handy sprechen

 

Voize App im Test

KI-Anwendung im Altenheim

 

"Die Künstliche Intelligenz von voize versteht den Pflegekontext und generiert automatisch strukturierte Dokumentationseinträge. Mittels Schnittstellen werden die Daten in Dokumentationssysteme übertragen. Alles läuft lokal auf dem Smartphone. So werden keine Daten in die Cloud geschickt. Damit werden hohe Datenschutzstandards erreicht und auch Pflegeeinrichtungen ohne flächendeckendes WLAN profitieren von der Anwendung", sagt Fabio Schmidberger.

 

"Für viele ist Sprechen auch leichter als Schreiben", weiß Sefaat Kayan. Für Betreuungskräfte, die nicht so gut deutsch können, ist das eine große Erleichterung - auch weil die App Rechtschreibung und Grammatik automatisch korrigiert.

 

Auszeichungen für die Pflege-App 

 

Erik Ziegler, Fabio und Marcel Schmidberger wurden bereits mehrfach für ihre Idee ausgezeichnet. So auch vom Existenzgründerportal Für-Gründer aus dem F.A.Z. Verlag mit Platz 3 der Top 50 Startups Deutschlands, im September 2019 gewannen sie den Businessplan-Wettbewerb am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam. Im November 2019 stellten sie ihre Ideen im Gesundheitsministerium in Berlin unter anderem Gesundheitsminister Jens Spahn vor. 

 

www.voize.de

 
November 2020. Redaktion pflegeinfos.net
Copyright Foto: Caritas /PR

Keine Kommentare:

Kommentar posten